Kategorie: Kolumne

„Ich bin auf der Welt zu gering und doch nicht klein genug, um vor dir zu sein wie ein Ding.“

Von nutzlosen Essern und Lifestyle-Freizeit: Wenn Arbeit zur Moralkeule wird

Es gibt politische Ideen, die wirken wie ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert. Kaum wird es unübersichtlich, kaum beginnt das alte Arbeitsversprechen zu bröckeln, kommt der Ruf: Mehr arbeiten. Länger. Vollzeit. Am besten alle. Der Vorschlag von Friedrich Merz, Teilzeitarbeit zurückzudrängen oder faktisch abzuschaffen, gehört genau in diese Kategorie. Ein Ordnungsgedanke aus einer Welt, die …

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Die Frau in der Geschichte der Philosophie und die halbe Menschheit als Sonderfall

Die Geschichte der Philosophie ist – betrachtet man ihre kanonischen Figuren – eine nahezu ausschließlich männliche Erzählung. Von der antiken Metaphysik bis zur deutschen Idealphilosophie, von der Moralphilosophie der Aufklärung bis zur Existenzphilosophie des 19. und 20. Jahrhunderts dominieren männliche Autoren nicht nur quantitativ, sondern normativ: Sie definieren, was als Vernunft gilt, wer als rationales …

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„Ich hasse Menschen“ – Ein Satz aus der Müdigkeitsgesellschaft

„Ich hasse Menschen.“ Kaum ein Satz fällt heute so beiläufig – und wird zugleich so selten hinterfragt. Meist steht er im Nebensatz, wie ein kurzer Anflug von Misantrophie, dem niemand widerspricht. Stattdessen folgt ein stilles Nicken. Ich habe ihn oft gehört: von Kolleg:innen, Freund:innen, aus der Familie. Und ja – ich habe mitgenickt. Und natürlich …

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Die transzendentale Macht der Dinge – Batailles pointierter Umkehrschluss

"Wir vergessen, dass unsere Existenz zuinnerst selbst sakral ist und dass es die Dinge sind, die sie transzendieren." Diese These von Bataille ist Umkehrung der Bedeutungen und Kritik am klassischen Transzendenzbegriff. In der traditionellen Philosophie gilt der Mensch als Maßstab der Welt: Durch Vernunft, Moral oder Technik könne er die Welt übersteigen, ordnen und begreifen. …

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Moral als Performance & Selbstinszenierung

Es gehört zu den feinen Ironien unserer Gegenwart, dass Moral zwar allgegenwärtig ist, aber selten dort erscheint, wo sie einst vermutet wurde: im Handeln. Sie tritt heute bevorzugt als Geste auf, als Haltung, als Bühne des „richtigen“ Bewusstseins. Moral ist sichtbar geworden, geradezu überdeutlich – und eben deshalb verdächtig. Denn was der Öffentlichkeit dient, dient …

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Heimlicher Liebesbrief an Leibniz (und warum wir alle Monaden sind)

Manchmal denke ich, dass Gott, als er die Welt erschuf, einen winzigen Tropfen seiner Schönheit aus Versehen mit einem Maß zu viel auf die Erde verschüttete – und daraus entstand Leibniz. Diese Mischung aus Mathematik und Mystik, Logik und Liebe, dieses seltsam leuchtende Genie, das glaubte, dass die Welt aus lauter fensterlosen Substanzen bestehe. Monaden …

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Das Panoptikum und der Blick der Anderen

Manchmal habe ich das Gefühl, jemand schaut mir über die Schulter – nicht wirklich, aber innerlich. Ein stiller Beobachter, der mitnotiert, was ich tue, denke, sage. Habe ich heute genug geschafft? War ich freundlich genug, klug genug, souverän genug? Dieser Blick ist unsichtbar, und doch bestimmt er so vieles in meinem Leben. Michel Foucault hätte …

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„Frauen sind falsch“ – ein Blick hinter die Fassade der Vorurteile

Man hört es immer wieder, offen ausgesprochen oder heimlich gedacht: „Frauen sind falsch.“ Doch was bedeutet das eigentlich? Warum haben wir diese Wahrnehmung? Warum scheint es, als seien Frauen weniger „authentisch“, weniger „echt“ als Männer? Womöglich liegt die Antwort nicht in der Natur der Frau, sondern in der Art, wie sie sozial geformt wird. Frauen werden von …

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