Kategorie: Anthropologie

Über die Spiegel-Verkehrtheit unserer Wahrnehmung

Die Geschichte der europäischen Selbstdeutung ist eine Geschichte stolzer Gewissheiten. Kaum eine davon scheint so fest verankert wie die Überzeugung, Träger einer besonders entwickelten Geistigkeit zu sein – einer Kultur, die sich vom bloß Körperlichen emanzipiert habe und ihre Identität im Reich der Vernunft, des Glaubens und der Transzendenz verortet. Doch gerade diese Selbstgewissheit gerät …

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Arnold Gehlen: Der Mensch als biologisches Mängelwesen

Schon ein flüchtiger Vergleich mit anderen Lebewesen zeigt, wie erstaunlich ungerüstet der Mensch in der Welt steht. Dem Tier stehen Werkzeuge zur Verfügung, die evolutionär feinjustiert sind: Krallen, Panzer, Hörner, schnelle Reflexe, kräftige Kiefer und Reißzähne, dichtes Fell, instinktgeleitete Reaktionsprogramme und ein sicherer Platz in der Natur. Der Mensch hingegen wirkt wie ein Stück Ton, …

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Die Reglementierung der Triebkräfte als sozialer Kitt

Die folgende Untersuchung kann als Beitrag zur sakralsoziologischen Forschung gelesen werden. Der Ethnologe Joseph D. Unwin richtet seinen analytischen Fokus auf die sexuellen Kräfte einer Gesellschaft und deren soziale Regulierung als konstitutives Element von Vergemeinschaftung und kultureller Ordnung. Hauptthese: Die Reglementierung sexueller Energien innerhalb einer Gemeinschaft führt zu einem Anstieg an sozialer und kultureller Energie, …

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Georges Bataille: Der Begriff der Erotik

Black and white photo of a detailed marble sculpture of Hercules fighting a centaur in Tuscany, Italy.

Georges Bataille nimmt innerhalb der Philosophie des 20. Jahrhunderts eine eigentümliche und lange marginalisierte Position ein. Seine Arbeiten stießen sowohl im rationalistischen Diskurs – exemplarisch bei Jürgen Habermas – als auch innerhalb der kontinentalen Philosophie auf Vorbehalte. Zugleich ist kaum zu bestreiten, dass zentrale Denkfiguren der Postmoderne, insbesondere bei Michel Foucault und Gilles Deleuze, ohne …

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Kugelmenschen – Was der Mythos der Antike über Geschlechter verrät

Es heißt, die Menschen waren einst vollkommen. Nicht so zerrissen, nicht so suchend, nicht so voller Zweifel an ihrer eigenen Identität. In Platons „Symposion“ erzählt Aristophanes die mythische Geschichte der Kugelmenschen – jener uralten Wesen, die rund, vollkommen und zweigeschlechtlich waren. Die Kugelmenschen rollten kraftvoll über die Erde, selbstgenügsam und glücklich, und besaßen eine solche …

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